top of page

Mentale Gesundheit bei Männern – Das unterschätzte Risiko

  • Autorenbild: VitaMann
    VitaMann
  • 19. Juli
  • 2 Min. Lesezeit
ree

Warum Männer seltener Hilfe suchen und was sich ändern muss


Männer sterben dreimal häufiger durch Suizid als Frauen. Gleichzeitig suchen sie deutlich seltener professionelle Hilfe bei psychischen Problemen. Diese alarmierende Diskrepanz hat viele Gründe – und sie alle haben mit gesellschaftlichen Erwartungen, Rollenbildern und strukturellen Barrieren zu tun.


Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

  • Etwa 6 Millionen Männer in Deutschland leiden an Depressionen

  • Die Diagnose-Rate bei Männern ist deutlich niedriger als bei Frauen

  • Männer warten im Durchschnitt länger, bevor sie Hilfe suchen

  • Die Suizidrate bei Männern ist etwa 3-4 mal höher als bei Frauen


Warum Männer anders depressiv sind

Depressionen bei Männern äußern sich oft anders als bei Frauen. Statt klassischer Symptome wie Traurigkeit und Weinen zeigen viele Männer:


"Männliche Depression" – atypische Symptome:

  • Reizbarkeit und Wutausbrüche

  • Aggressives Verhalten

  • Risikoreiches Verhalten

  • Verstärkter Alkohol- oder Drogenkonsum

  • Überarbeitung und Hyperaktivität

  • Körperliche Beschwerden (Schmerzen, Verdauungsprobleme)

  • Sozialer Rückzug, der als "Ruhe brauchen" maskiert wird


Diese Symptome werden oft nicht als Depression erkannt – weder vom Betroffenen noch vom Umfeld oder sogar von Ärzten.


Die toxische Seite traditioneller Männlichkeit

Viele Männer wachsen mit Botschaften auf wie:

  • "Ein Mann weint nicht"

  • "Reiß dich zusammen"

  • "Sei stark"

  • "Gefühle zu zeigen ist Schwäche"

Diese internalisierten Erwartungen führen dazu, dass psychische Probleme als persönliches Versagen empfunden werden. Das Ergebnis: Scham, Isolation und ein gefährliches Schweigen.


Besondere Risikophasen im Männerleben


Vaterschaft: 10-15% der Väter erleben postpartale Depressionen, doch wird dies selten thematisiert oder erkannt.


Midlife-Crisis: Zwischen 40 und 55 erleben viele Männer eine Phase der Neuorientierung, die mit Identitätskrisen, beruflichen Zweifeln und existenziellen Fragen einhergehen kann.


Ruhestand: Der Verlust der beruflichen Identität und Struktur kann depressive Episoden auslösen.


Trennung und Scheidung: Männer haben oft kleinere soziale Netzwerke und tun sich schwerer, emotionale Unterstützung zu mobilisieren.


Was wirklich hilft – evidenzbasierte Ansätze

Psychotherapie wirkt – auch bei Männern

Studien zeigen, dass Psychotherapie bei Männern genauso wirksam ist wie bei Frauen – wenn sie stattfindet. Besonders effektiv sind:

  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)

  • Achtsamkeitsbasierte Ansätze

  • Gruppentherapie (nach anfänglicher Skepsis oft sehr hilfreich)

  • Online-Therapie (niedrigschwelliger Zugang)


Sport als Therapie-Ergänzung

Bewegung ist nachweislich wirksam bei leichten bis mittelschweren Depressionen. Eine Meta-Analyse von 2018 zeigte, dass regelmäßige Bewegung die Symptome um 30-40% reduzieren kann.


Soziale Verbindungen stärken

Männerfreundschaften sind oft aktivitätsorientiert statt gesprächsorientiert. Das ist okay – wichtig ist, dass sie existieren. Studien zeigen: Männer mit stabilen sozialen Bindungen haben ein 50% niedrigeres Risiko für Depressionen.


Warnsignale ernst nehmen


Bei sich selbst:

  • Anhaltende Gereiztheit oder innere Unruhe

  • Verlust von Interesse an früher geschätzten Aktivitäten

  • Schlafstörungen

  • Konzentrationsprobleme

  • Körperliche Symptome ohne klare Ursache

  • Gedanken an Sinnlosigkeit oder Suizid


Bei anderen:

  • Sozialer Rückzug

  • Verändertes Verhalten (mehr Aggression, Substanzkonsum)

  • Äußerungen von Hoffnungslosigkeit

  • Verschenken von Besitztümern

  • Abschied-nehmen in Gesprächen


Ressourcen und erste Schritte

Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (24/7 kostenlos)

Männerberatung: Spezialisierte Beratungsstellen in vielen Städten

Hausarzt: Oft der erste und niedrigschwelligste Ansprechpartner

Online-Selbsthilfe: Apps wie MindDoc, HelloBetter oder 7Mind

Bei akuter Suizidalität: 112 oder nächste psychiatrische Notaufnahme


Ein Appell zur Entstigmatisierung

Hilfe zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke und Selbstfürsorge. Die mentale Gesundheit ist genauso wichtig wie die körperliche – und genauso behandelbar.


Fazit: Männer dürfen und müssen über ihre mentale Gesundheit sprechen. Je mehr wir das Schweigen brechen, desto mehr Leben können wir retten.

Kommentare


Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Bitte den Website-Eigentümer für weitere Infos kontaktieren.
bottom of page